Andrea Cnyrim – blogurosity

The blog for the culturally curious

Einstellungen von Sportvereinsmitgliedern gegenüber Fremdheit und Veränderung

Eine Mitgliederbefragung in vier Thüringer Sportvereinen

Bei der Diskussion von förderlichen Faktoren für die Integration von Zugewanderten wird immer wieder die Teilhabe in Freizeitorganisationen, insbesondere Sportvereinen genannt. Durch alltägliche Begegnungen von zugewanderten Menschen mit Menschen der Aufnahmegesellschaft im Sportverein werden „soziale Nähe und direkte Kommunikation [ermöglicht], Reziprozitätsnormen [gepflegt] und soziales Vertrauen [aufgebaut]“ (Baur/Braun 2003: 11). Es wird angenommen, dass eine Mitgliedschaft im Sportverein Vorteile für die soziale, kulturelle, politische und strukturelle Integration mitbringt (Mutz/Burrmann 2015: 264-269). Werden diese Potenziale ausgeschöpft, dient der Sport als „Sprungbrett“ in die Gesellschaft (Mutz 2012). Voraussetzung dafür, dass der organisierte Vereinssport dieses Integrationspotential ausschöpft und sich die damit verbundenen Hoffnungen erfüllen, ist jedoch die prinzipielle interkulturelle Offenheit der Vereine.

Mit dieser Herausforderung befasste sich das Forschungs-Praxis-Projekt SPIEL MIT!, welches durch Mittel aus dem Programm Zusammenhalt durch Teilhabe des Bundesinnenministeriums von einem Projektverbund bestehend aus der Fachstelle für Interkulturelle Öffnung der Arbeiterwohlfahrt Mitte-West-Thüringen, dem Landessportbund Thüringen, der Hochschule Karlsruhe sowie der Karlshochschule International University von 2016 bis 2019 umgesetzt wurde.

Die interkulturelle Offenheit von Sportvereinen kann nämlich nicht unhinterfragt als gegeben angenommen werden (vgl. Nagel 2003b). Angesichts von Abwehrmechanismen auf organisationaler und auf individueller Ebene erscheint es sinnvoll, die Einstellungen von Sportvereinsmitgliedern gegenüber Fremdheit und Veränderung näher zu untersuchen. Das Ziel ist es, die Haltungen systematischer zu verstehen und damit auch unterbewussten Vereinsdynamiken entgegenwirken zu können.

Für die vorliegende Studie zur Einstellung von Sportvereinsmitgliedern gegenüber Fremdheit und Veränderung wurde der eher politische Kontext der Studie von Zick et al. (2011) und die dort fokussierte Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auf Sportvereinsebene transferiert. Inspiriert von den von Zick et al. (2011) entwickelten sechs Kategorien (Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Sexismus und Homophobie) wurden für den Vereinskontext solche abgeleitet, die einen Aufschluss über die Haltung gegenüber Fremdheit (kultureller Vielfalt) und gegenüber Veränderung geben. Die Kategorien lauten: (a) „Konservatismus/Traditionalismus“, (b) „Fremdenfeindlichkeit“, (c) „Assimilationsforderung“, (d) „Kulturalismus (Rassismus)“.

Die Ergebnisse liegen nun vor: https://www.researchgate.net/publication/344901000_Einstellungen_von_Sportvereinsmitgliedern_gegenuber_Fremdheit_und_Veranderung_Eine_Mitgliederbefragung_in_vier_Thuringer_Sportvereinen


DOI: 10.13140/RG.2.2.26417.81764

Andrea Cnyrim • 27. Oktober 2020


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